Beitragsseiten

Das kooperative Lärmmanagement

Im Lärmschutz gibt es grundsätzlich drei Beteiligte mit mehr oder weniger klarer Interessenlage. Erstens, der Betreiber von ‚lärmenden’ Anlagen. Sein natürliches Interesse ist der wirtschaftliche Betrieb, nicht etwa eines hohes Lärmkontingent. Zweitens, die vom Lärm betroffenen Anwohner. Ihr natürliches Interesse ist ein lebenswertes Wohnumfeld mit erträglicher Lärmbelastung, nicht etwa die ‚Stille’. Drittens, die Gruppe der Lärmschützer, die als staatliche Stellen, Verwaltungen und Gerichte mit Unterstützung von Gutachtern als Moderatoren den natürlichen Interessenkonflikt der ersten beiden Parteien ausgleichen (sollen). Das natürliche Interesse der Moderatoren sollte und ist in der Regel eine gerechte, objektivierbare und beständige Lösung des Konflikts.

Der Prozess des Auffindens einer Konfliktlösung wird im folgenden mit dem Begriff ‚Lärmmanagement’ belegt. Das Lärmmanagement unterliegt Gesetzen, Verordnungen, technischen Anleitungen, Normen und Richtlinien, die der Gesetzgeber zur objektiven und gerechten Beurteilung des Lärms geschaffen hat und die er ständigen Anpassungen einerseits nach Maßgabe des Erkenntnisfortschritts im akustischen Immissionsschutz, andererseits aber auch nach Maßgabe verändertem Gerechtigkeitsempfinden unterwirft. Die Anpassung selbst hat also beides, wissenschaftliche und politische Komponenten.

Dieser durchaus auch historisch geprägte Anpassungsprozess hat zu einem äußerst komplexen nationalen und europäischen Regelwerk geführt. Entsprechend komplex ist die Anwendung des Regelwerkes und damit auch der Managementprozess selbst. In der Regel findet heute ein „administratives Lärmmanagement“ statt. Der Managementprozess besteht aus einem Genehmigungsverfahren auf der Grundlage von den zum Zeitpunkt der Beantragung erkennbaren Betriebszuständen der Anlage. Die Genehmigung formuliert dann Auflagen nach Maßgabe von Betriebsparametern, deren Einhaltung von Behörden regelmäßig oder stichprobenartig überwacht wird. Dieses Lärmmanagement ist also ein Verwaltungshandeln, das letztlich nicht den Lärm kontingentiert, sondern den Betrieb der Anlage.
Das hier vorgestellte „kooperative Lärmmanagement“ kontingentiert dagegen tatsächlich den Lärm in einem für den Betreiber, die Anwohner und die Überwachungsbehörde transparenten, andauernden Verfahren. Der Betreiber plant und steuert den täglichen Betrieb der Anlage so, dass die Lärmkriterien eingehalten werden. Das Verfahren ist kooperativ, weil die Überwachungsbehörde die Entscheidungskriterien, nach denen der Betreiber seine Anlage steuert, festlegt und überwacht und so auch in die Verantwortung für die Einhaltung der Lärmkriterien einbezogen ist.