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Der „ungünstigste Betriebszustand“

 

Der maßgebliche Betriebszustand als Grundlage einer Beurteilung ist in der Regel der ungünstigste Betrieb der Anlage mit dem höchsten Beurteilungspegel. Ungünstig heißt also: „lautester“ Betrieb in Verbindung mit günstigsten Schallausbreitungsbedingungen. Dieses Kalkül lässt sich, zunächst wegen (5), nicht ohne Weiteres auf einen Schießplatz übertragen. Was z.B. in der nördlichen Nachbarschaft ungünstig ist, kann für die südliche Nachbarschaft unerheblich sein. Würde man den ungünstigsten Betriebszustand über den Betrieb definieren, z.B. über die jeweils höchsten Schusszahlen auf einer Anlage, erhielte man nicht überall den höchsten Immissionspegel. Würde man alle möglichen Emissionssituationen auf den Anlagen zu einem ‚ungünstigsten‘ Betriebszustand zusammenfassen, erhielte man einen Betrieb, der aus Sicherheitsgründen bei Weitem nicht vorkommen kann. Der ‚ungünstigste‘ Betriebszustand – gleichzeitig für alle Raster-Immissionsorte – kann deshalb nicht über die Analyse des Betriebes festgestellt werden.

Da bei der Prognose die jeweils günstigste Schallausbreitungsbedingung zu unterstellen ist, liefert die Ausbreitungsrechnung tendenziell stets zu hohe Immissionspegel. Selbst wenn man den ‚ungünstigsten Betrieb’ festgestellt hätte, würde die günstigste Schallausbreitungsrechnung für diesen Zustand den Pegel nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorhersagen, denn die Mitwindbedingung gilt realistisch nur in einer Richtung. Die Immissionsorte liegen aber grundsätzlich in allen Richtungen um jeden Quellort.

Bei der Bestimmung des ungünstigsten Betriebszustandes muss man sich deshalb grundsätzlich vom Betrieb lösen und ihn über den Pegel in jedem Immissionsort spezifisch für den Immissionsort bestimmen. Deshalb wird folgende Festlegung vorgeschlagen: Der ungünstigste (tagesbezogene) Betriebszustand liegt für einen Immissionsort (Rasterpunkt) dann vor, wenn der prognostizierte Tagespegel nur an 5% der Tage überschritten, aber an 95% der Tage erreicht bzw. unterschritten wird.

Eine solche Festlegung kann auch bei anderen Lärmarten zur Objektivierung von Beurteilungen beitragen, siehe [1]. Der ungünstigste Betriebszustand wird also über das 5% Überschreitungsperzentil der Verteilung der Tagesprognosepegel in jedem einzelnen Immissionsort über einen gewissen Zeitraum gebildet.

Dieses 5% Überschreitungsperzentil deckt damit auch die beim Betrieb eines Schießplatzes nicht definierbaren „seltenen Ereignisse“ ab. Da sich der Betrieb kaum wiederholt, ist jeder Betriebszustand an sich im Sinne des Wortes „selten".