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Lärmkarten für ein Lärmmanagement mit Überschreitungstagen

Das Lärmmanagement auf Schießplätzen der Bundeswehr geht neue Wege. In [1] wird ein so genanntes ‚kooperatives Lärmmanagement’ für den Betrieb dieser Anlagen vorgestellt und begründet, das in vielerlei Hinsicht mit dem Gewohnten des traditionellen administrativen Lärmmanagement bricht. Grundlage ist nicht mehr eine in einem Genehmigungsverfahren einmal festgestellte ‚ungünstigste’ Betriebssituation, für die die Lärmbelastung der Anwohner bestimmt wird und die dann in einem Genehmigungsbescheid ‚zu den Akten’ genommen werden kann. Das Konzept des kooperativen Managements basiert auf dem tatsächlichen Betrieb der Anlage und lässt immissionsortspezifische Überschreitungen einiger Auslöse- bzw. Richtwerte an 5% der Tage innerhalb der letzten 365 Tage vor dem zu beurteilenden Schießtag zu. Das Lärmmanagement basiert also auf einem gleitenden Beurteilungszeitraum und ist jeden Tag neu. Zu keinem Zeitpunkt gibt es deshalb eine Information, die zur Darstellung einer Lärmkarte zur Kennzeichnung einer allgemeinen oder mittleren Lärmsituation im herkömmlichen Sinne genutzt werden kann.

Das kooperative Lärmmanagement ist eher ein ständiger Prozess, der in das Betriebsmanagement eingreift und den Betreiber täglich mit dem Problem Lärm konfrontiert. Die Genehmigung zum Betrieb der Anlage besteht einerseits in der Auflage, ein solches Lärmmanagement durchzuführen und andererseits in den zwischen Betreiber und Aufsicht- bzw. Genehmigungsbehörde vereinbarten Lärmmanagementregelungen [2]. Die Dokumentation erschöpft sich aber nicht durch das Aufschreiben der Managementregelungen; es müssen auch die täglichen Entscheidungen auf der Basis dieser Regelungen so nach festen Regeln dokumentiert werden, dass durch einen ständigen Datenaustausch mit der öffentlich-rechtlichen Fachaufsicht eine Überwachung des Prozesses möglich ist. Auch dieser Datenaustausch, die Informationspflicht und der Beschwerdeweg sind Gegenstand der Lärmmanagementregelungen und etablieren dadurch das kooperative Gesamtkonzept.
Über diese Anforderungen des täglichen Lärmmanagements hinaus gibt es aber den Bedarf - z.B. für die Zwecke der Bauleitplanung oder allgemein der Städteplanung in der Nachbarschaft der Anlage - im Sinne von Lärmimmissionsplänen oder Lärmminderungsplänen die allgemeine Lärmbelastung durch den Betrieb der Anlagen anzuzeigen. Diese „allgemeine“ Lärmbelastung muss in gewisser Weise mitteln und für Langzeit-Entscheidungskriterien taugen. Dabei kann - auch aus Kompatibilitätsgründen zu anderen Lärmarten - auf das Werkzeug ‚Lärmkarte’ nicht verzichtet werden. Im Folgenden wird dargestellt, wie aus dem Lärmmanagementprozess die Information über eine allgemeine Lärmbelästigung der Anlage abgeleitet und auf Lärmkarten sachgerecht präsentiert werden kann.