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Lärmkarten mit Überschreitungstagen

 

Abb. 1: Lärmkarte mit Überschreitungstagen

Abb. 1: Lärmkarte mit Überschreitungstagen


Natürlich lässt sich die Anzahl der Überschreitungstage einfach als Rasterkarte mit der Auflösung des oben festgelegten Rasters darstellen. Abb. 1 zeigt eine solche Karte für einen Ausschnitt aus der Nachbarschaft eines Truppenübungsplatzes. Eine derartige Karte wird als „Schallimmissionsplan“ der Anlage bezeichnet, wenn sie zum Stichtag 31.12. aus dem Lärmmanagement abgeleitet wird. Dieser SIP gibt einen Überblick über die unterschiedliche Belastung einzelner Wohngebiete, die sich insbesondere untereinander vergleichen lassen. Die Anzahl der Überschreitungstage lässt sich auch über mehrere Kalenderjahre mitteln, um einer Aussage über eine langfristige Lärmbelastung zu erhalten oder um Tendenzen in der Lärmminderung deutlich zu machen.


Perzentilkarte für zwei unterschiedliche untere Auslösewerte
Abb. 2: Perzentilkarte für zwei unterschiedliche untere Auslösewerte

Eine solche Karte eignet sich aber nicht für Planungszwecke, weil entweder – im Falle neu auszuweisender Planungsgebiete - diese Flächen bei der Berechnung der Führungsgrößen nicht berücksichtigt wurden oder – im Falle von Umplanungen - höhere oder niedrigere Auslösewerte für die betroffenen Gebiete anzuwenden gewesen wären. Mit Hilfe der Lärmmanagement-Software können allerdings für jede Planungsvariante aussagekräftige Karten berechnet werden, wenn das Lärmmanagement mit den dokumentierten Betriebszahlen unter Berücksichtigung der Planungsvariante über ein Kalenderjahr nachberechnet wird.

Für allgemeinere Darstellungen der Lärmbelastung, z.B. im Rahmen von Lärmminderungsplänen, ist das aber kein gangbarer Weg. Für diesen Zweck wird eine Perzentilkarte zum Ende eines Kalenderjahres (Stichtag 31.12.) berechnet, die die Linien gleicher 5%-Perzentile für jeden im Lärmmanagement festgelegten, unteren Auslösewert – die Überschreitung des unteren Auslösewertes ist die Bedingung für die Zuordnung des Betriebstages als Überschreitungstag – darstellt. Diese Lärmkarte kann den Bedarfsstellen als Planungsgrundlage zur Verfügung gestellt werden. Liegt ein Plangebiet innerhalb der 5%-Perzentilfläche des im Rahmen der Planung vorgesehenen Auslösewertes, liegt ein Konflikt vor, s. Abb.2.

Den 5%-Perzentil-Isolinien fehlt allerdings im Gegensatz zu üblichen Lärmkarten die Voraussetzung für jegliche Pegelrechnung. Bei konventionellen Lärmkarten entspricht einer Senkung von 3 dB eine Halbierung des Betriebs. Diese Karten enthalten also auch in gewisser Weise das Differential. Das ist bei Perzentilkarten mit Überschreitungstagen nicht der Fall. Der Konflikt lässt sich zwar entscheiden, aber nicht quantifizieren.

Deshalb erfüllt das Maß Überschreitungstage bzw. das Maß 5%-Perzentil nicht vollständig das Schema der DIN 45682, [4]. Zwar ließe die allgemeine Definition eines „Schallimmissionsplans“ noch eine Darstellung von Überschreitungstagen zu, die dann folgende, abschließende Aufzählung ihrer möglichen Ausprägung in [4] geht aber stets von stetigen Pegelmaßen aus.

Die Perzentilkarten sind aber direkt geeignet, die Einschränkungen wiederzugeben, die in einem Lärmmanagement zu erwarten sind, wenn ein neues Empfindlichkeitsgebiet in der Nachbarschaft hinzukommt. Ein Betreiber, zumindest gilt das für einen Truppenübungsplatz, hat mehr Möglichkeiten, die Anzahl der Überschreitungstage in dem neuen Gebiet auch ohne wesentliche Beschränkung des Gesamtbetriebs einzuhalten, z.B. durch Verlagerungen von Aktivitäten. Das Lärmmanagement führt dann zu einer höheren Belastung anderer Gebiete. Für eine detaillierte Beurteilung einer Planungsvariante bzw. eine Optimierung der Planung ist deshalb wieder Kooperation zwischen Planer, Genehmigungsbehörde und Betreiber einzufordern.