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Beurteilung von Lärm

Grundsätzliche Methoden und Verfahren

Eine Beurteilung des Lärms findet z.B. im Rahmen des Genehmigungsverfahrens für eine Anlage statt. Aus der Beurteilung wird dabei nicht nur die Notwendigkeit zur Errichtung von aktiven Lärmschutzmaßnahmen abgeleitet, sondern – insbesondere bei Anlagen – auch Betriebsbeschränkungen und -auflagen als Bestandteil der Genehmigung begründet. Der Lärmschutz und seine Verfahren können deshalb einen großen Einfluss auf die Errichtungskosten und auf die Wirtschaftlichkeit der Anlage im täglichen Betrieb haben.

Das Beurteilungsverfahren zur objektivierten Bestimmung der ‚erheblichen Belästigungen’ durch Lärm wird traditionell durch vier Aspekte geprägt:

1. Psychoakustik: Korrelation der Belästigungsreaktion zu einem Schallpegel, der als objektive, physikalische Messgröße angesehen werden kann.

Durch sozialwissenschaftliche Untersuchungen wird festgestellt, welchem Schallpegel welche Belästigungsrektion zuzuordnen ist. Gegebenenfalls werden Zuschläge erforderlich und festgelegt.

2. Physikalische Akustik: Entwicklung des Ausbreitungsmodells, das die relevanten Schallpegel im Immissionsort nach Maßgabe der Quellstärke und der Ausbreitungsbedingungen berechnet.

Das Schallausbreitungsmodell berücksichtigt ‑ mehr oder weniger anspruchvoll ‑ die akustischen Ausbreitungsphänomene, also Geometrie, Brechung, Reflexion, Schirmung und prognostiziert den Schallpegel im Immissionsort. Das Schallausbreitungsmodell wird in der Regel von vorneherein dem Einwirkungsbereich des Lärms und der Pegelart angepasst.

3. Betriebsanalyse: Bestimmung von typisierten Nutzungsprofilen von Verkehrswegen bzw. der Betriebssituationen von Anlagen, die geeignet sind, den Verkehr bzw. den Betrieb einer Anlage zu kennzeichnen.

In dieser Phase wird in der Regel eine Betriebssituation ermittelt, die den höchsten Immissionspegel erzeugt. Abhängig von der Lärmart werden dazu Kennzahlen und Kennzeiten für die Beschreibung des Betriebs gewählt.

4. Beurteilung: Festlegung von Vergleichswerten für den Beurteilungspegel zur Entscheidung der Erheblichkeit der Belästigung.

In der Regel werden aus den sozialwissenschaftlichen Untersuchungen Auslöse-, Richt- oder Grenzwerte abgeleitet, die dann ‑ gegebenenfalls durch politische Zielsetzungen verändert ‑ als Vergleichswerte dienen. Allerdings wird der so einfach scheinende Vergleich eines durch Prognose oder Messung ermittelten Beurteilungspegels mit einem Vergleichswert durch die Berücksichtigung der Unsicherheiten in der Pegelbestimmung zu einer statistischen Herausforderung.