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Kooperatives Lärmmanagement

Einführung in das Konzept


Das Konzept eines kooperativen Lärmmanagements wird in [8] vorgestellt. Ein Lärmmanagement benötigt klare Vorschriften und Verfahrensweisen. Diese Verfahren und Vorschriften

  • dürfen keine Entscheidungen des Betreibers nach Abwägung komplexer Aspekte verlangen, die akustische Kompetenz voraussetzen (Gemengelage, seltene Ereignisse);
  • müssen für Betreiber, Überwachungsbehörden und Anwohner gleichermaßen nachvollziehbar und transparent sein (kooperatives Element);
  • dürfen keine nachgelagerten Änderungen der Beurteilung erlauben (Rechts- und Verfahrenssicherheit);
  • müssen numerisch eindeutig umsetzbar sein (DIN 45687).

Ein sachgerechtes Lärmmanagement sollte also fair, einfach und klar, vor Ort ohne Ermessensspielraum und „ausnahmearm“ das Interesse des Betreibers an einem optimalen Ausbildungsbetrieb mit dem Interesse der Anwohner an einem ruhigen Wohnumfeld ausgleichen.       

Unterschiede zwischen administrativem und kooperativem Lärmmanagement

Das kooperative Lärmmanagement bricht an vielen Stellen mit dem traditionellen Vorgehen der Verwaltungsakustik.

1.       Es gibt keine statische Genehmigung.
Das kooperative Lärmmanagement ist ein ständiger Prozess. Der Betrieb ist genehmigt, wenn die Kriterien des Lärmmanagements eingehalten werden. Statt eines Zustandes wird also ein Verfahren Grundlage der Genehmigung.

2.       Es gibt keinen ungünstigsten Betriebszustand.
Das Lärmmanagement wird durch den tatsächlichen Schießbetrieb gesteuert. Ein ‚ungünstigster’ Betrieb kann auf einem Schießplatz und auf einem Schießstand nicht zuverlässig festgelegt werden, weil jeder Tag anders ist. Jeder Tag zählt beim Lärmmanagement, auch ein Tag, an dem die Anlage nicht benutzt wird oder nur sehr wenig auf einer Seite des Platzes geschossen wird.

3.       Es gibt keine ‚ungünstigste Schallausbreitungssituation’.
Traditionell wird pauschal von jeder Quelle zu jedem Immissionsort eine Mitwindsituation angenommen. Diese Annahme liefert zwar höchste Beurteilungspegel und scheint ‚betroffenenfreundlich’ zu sein. Gleichzeitig hat aber der Betreiber auch keinen Anreiz ‑ wie bei dem hier vorgestellten Management ‑ z.B. auf die Windrichtung Rücksicht zu nehmen und seine Lärmquellen auf die Gegenwindseite des Schießplatzes zu verlagern. Das Lärmmanagement unterstützt deshalb den im BImSchG formulierten Vorsorgegedanken.

4.       Es gibt keine ‚maßgeblichen Immissionsorte’.
Das Lärmmanagement berücksichtigt grundsätzlich die gesamte Fläche um die Anlage (Einwirkungsbereich) und objektiviert deshalb die Datengrundlage. Es gibt nun keine Wohnplätze mehr, die nach Maßgabe von gutachtlicher Erfahrung eine Genehmigung stützen. Die gesamte Nachbarschaft wird geschützt.

5.       Es gibt keine ‚seltenen Ereignisse’.
Das Konzept der seltenen Ereignisse ist nicht objektiv, sondern erfordert stets Entscheidungen. Hier wird dieses Konzept durch die Einführung des 5%-Perzentils der Überschreitung ersetzt und damit objektiviert.